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Plattformökonomie im Mittelstand: Warum es offene Standards und Konsortien braucht

KI Service - Industrie 4.0

Plattformökonomie im Mittelstand: Warum es offene Standards und Konsortien braucht

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager Kommunikation Cloud Services bei EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Maschinen per App steuern, online remote warten und über Plattformen besser auslasten – was anderswo zum Standard wird, kommt im Mittelstand nicht voran. Wie sich digitale Geschäftsmodelle realisieren lassen. Und welche Rolle Konsortien für den Erfolg spielen.

Egal, ob robuste Autos, hochleistungsfähige Industrieanlagen oder Werkzeugmaschinen, bei denen Handwerker:innen keine Kompromisse eingehen müssen – Deutschland ist das Land der Marktführer:innen. Nirgendwo sonst auf der Welt trifft Ingenieurskunst so erfolgreich auf Erfindergeist wie im hiesigen Mittelstand. Aber was die Verkaufsschlager des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus in China, USA und Europa gefragt macht, das lassen sie in einem Punkt vermissen: „Die Digitalisierung des Geschäfts kommt nur schleppend voran“, schreibt Wirtschaftsredakteur Uwe Marx im Beitrag auf www.faz.net.

Europaweit mehr als 40 Milliarden Euro Umsatz mit Plattformen möglich

Maschinen per App steuern, online remote warten und über Plattformen besser auslasten – was digitalisierte Geschäftsmodelle zum Standard werden lassen, kommt in der Industrie hierzulande nicht voran. Die Ursachen hat McKinsey untersucht. Laut Studie Kundenzentrierung als Chance für den digitalen Durchbruch[1] aus dem Jahr 2020 liegt der Umsatzanteil von digitalen Plattformen und Mehrwertdiensten europaweit bei nur rund 0,7 Prozent oder gerade mal 6 Milliarden Euro. Dabei wären bereits rund 40 Milliarden Euro Umsatz möglich, wenn Firmen die Chancen von Industrial Internet of Things-Plattformen und intelligenten Mehrwertdiensten ausschöpften. Europa muss nachlegen, wie die Umfrage der Strategieberatung unter 200 Anlagen- und Maschinenbauer:innen zeigt.

B2B-Plattformen: Offen, hoch kompatibel und interoperabel

Was die Entwicklung digitaler Plattformen hierzulande ausbremst: Zum einen fehlende Geschäftsmodelle (61 Prozent), fehlende Standards (59 Prozent) und mangelnde strategische Relevanz (57 Prozent), zum anderen aber unterschiedliche Vorstellungen. Sind für Unternehmen Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit entscheidend, geben für Kund:innen andere Eigenschaften den Ausschlag: Sie wünschen sich hoch kompatible und interoperable Dienste. Denn: „Die Digitalisierung einer Firma endet nicht an der Werksausfahrt“, sagt Ralph Trinter vom Systemintegrator T-Systems im Interview auf www.produktion.de. „Eine übergreifende Vernetzung erfordert nicht nur Konnektivität oder sichere Cloud-Plattformen, sondern vor allem auch definierte Schnitt- und Nahtstellen. Dazu bedarf es offener Standards.“

Digitale Services: Noch keine wesentliche Einnahmequelle

Geschäftsmodelle datenbasiert weiterentwickeln und digitale Dienste offen und interoperabel über Plattformen anbieten – gerade im Service zeigt sich Potenzial, wie eine Online-Umfrage der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) aus dem Jahr 2020 zeigt. Aber: „Digitale Services stellen bei einem Großteil der teilnehmenden Unternehmen (79 %) noch immer keine beziehungsweise keine wesentliche Einnahmequelle dar“, schreibt www.all-electronics.de in einem Onlineartikel: „Condition Monitoring und Predictive Maintenance für Maschinen/Anlagen bei den Kunden stecken noch in den Anfängen, während klassische Remote-Services weit fortgeschritten sind.“ Chancen, die sich aus der Nutzung der anfallenden Daten ergeben, bleiben ebenfalls liegen.

B2B-Plattform als Chance für Europa

Die großen Plattformen machen vor, wie es gehen kann. Amazon, Facebook und Apple teilen mit digitalen Services und innovativen Abodiensten den B2C-Markt unter sich auf. Nicht so im B2B-Segment: Hier zeigt sich die Chance für Europa und ein Projekt wie Service-Meister. „Ob Maschinenbau, Logistik oder Chemie – Branchen wie diese sind als Plattformmärkte für hiesige Unternehmen noch erreichbar“, sagt Dr. Alexander Löser von der Beuth Hochschule im Blogbeitrag zum KI-Projekt[2]: „Die Firmen müssen jetzt die richtigen Entscheidungen treffen und langfristig investieren.“ Zwar hat der Maschinen- und Anlagenbau bisher mehrheitlich die Technologie als Ausgangspunkt für digitale Lösungen betrachtet. Aber, um erfolgreich zu sein, müssen Dienste und Plattformen zwingend den Nutzen der Maschinenbetreiber:innen fokussieren.

Hochwertige Produkte bleiben Basis für digitalen Erfolg

Was kann da laut Studie von McKinsey zum Erfolg führen? Anbieterkonsortien sind für 77 Prozent der Firmen der Weg, um digitale Plattformen aufzubauen. Konsortien, wie sie Service-Meister versammelt, damit das KI-basierte Serviceökosystem für den technischen Service im Zeitalter von Industrie 4.0 real wird. McKinsey ist überzeugt: Die europäische Industrie ist in einer hervorragenden Ausgangsposition. Tiefes Maschinenverständnis, Prozessnähe und ein geringes Investitionsrisiko treffen auf einen potenziell großen Markt. Und schließlich bleiben – auch für die Studienautor:innen – hochwertige Produkte die Basis des digitalen Geschäftserfolgs.


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