KI, Kunst und Konsortium: Service-Meister trifft sich in Duisburg

KI Service - Industrie 4.0

5. Konsortialtreffen bei KROHNE Messtechnik in Duisburg

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager Kommunikation Cloud Services bei EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Künstliche Intelligenz (KI) gehört so selbstverständlich in die Serviceprozesse jeder Firma wie Kunst in die Fabriken von KROHNE. Jetzt versammelte sich Service-Meister auf dem 5. Konsortialtreffen in Duisburg – das erste Präsenzevent dieser Art seit dem Kick-off im Februar 2020. Wie das Konsortium Kurs auf die Serviceökonomie 4.0 setzt.

Kunst und KROHNE gehören so selbstverständlich zusammen, wie das Unternehmen seit 1921 zu Duisburg. Als der Gründer und sein Sohn im zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren, trat der damals 28-jährige Enkel in die Firma ein. Dabei war Kristian Rademacher-Dubbick eigentlich Maler. Kristian folgte dem Ruf, obwohl er dafür seinen Beruf aufgeben musste. Unter seiner Leitung wuchs KROHNE nicht nur zu einem führenden Messgerätehersteller heran. Sondern seit seiner Zeit finden sich überall Ölgemälde, Zeichnungen oder Aquarelle wieder – selbst in den Fabriken, wo sie einen zwischen Maschinen, Prüfständen und Werkbänken überraschen. Unerwartetes in überraschendem Kontext – nicht anders bringt Service-Meister KI in den Industrieservice kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Jetzt versammelte sich das Konsortium des KI-Projekts in Duisburg.

Service-Meister Konsortialtreffen bei Kunst im Raum

Hardware trifft datengetriebene und intelligente Systeme

Egal, ob Skulptur oder KI-Chatbot, Fotografie oder App, japanischer Holzdruck oder Augmented-Reality-Anwendung – im Konsortium von Service-Meister bringen die IT- und Softwareanbieter grandcentrix, inovex und USU zwar keine Kunst, dafür aber smarte Werkzeuge in den Industrieservice bei KEB, TRUMPF, Würth, Open Grid Europe und eben KROHNE. „Wir produzieren nicht nur Hardware, sondern realisieren datengetriebene, intelligente Systeme“, sagte Dr. Dagmar Dirzus vom Duisburger Familienunternehmen. Beispiel Wasserwirtschaft: Über das Internet of Things (IoT) lassen sich Pegelstände und Durchflussmengen in Kanälen und Sammelbecken live überwachen sowie mögliche Leckagen erkennen. „Auf einer IoT-Plattform laufen alle Daten zusammen, um sie beispielsweise mit KI-Methoden zu visualisieren“, sagte Dirzus, „Störungen lassen sich prognostizieren und die Einsatzplanung von Serviceteams optimieren.“

Schnellboote von Service-Meister berichten von Ergebnissen und Perspektiven

Know-how aus Service-Meister fließt nicht nur bei KROHNE in intelligente Systeme. Damit KI-Innovationen möglichst breit in betriebliche Servicepraxis eingehen, haben sich die Partner aus IT und Industrie in fünf Schnellbooten zusammengefunden. Auf dem Konsortialtreffen berichteten die Tandems von ihren Ergebnissen und der weiteren Perspektive.

  • Beispiel WÜRTH und grandcentrix: „Störungen an Powertools lassen sich remote erkennen, um Ersatzgeräte rechtzeitig auf den Weg oder Reparaturen einplanen zu können“, sagte Dr. Laura Ohrndorf von grandcentrix. Das Tandem arbeitet in einem weiteren Use Case jetzt daran, Defekte an Geräten auf Fotos zu bestimmen: „KI-Algorithmen für die Bilderkennung machen es möglich“, sagte Ohrndorf.
  • Nicht anders TRUMPF und USU: „Unsere vollautomatischen Laserschneidsysteme sind rund um den Globus in Betrieb“, sagte Korbinian Weiss von TRUMPF. Kameras an den Maschinen überwachen die Produktion. „Treten Probleme auf, helfen uns die Videos bei der Lösung.“ Noch werten Menschen die Bilder aus. Aber KI steht bereit, um Ursachen und Lösungen schneller zu bestimmen.

Fachkräftemangel im Mittelstand: KI löst Probleme

KI-Anwendungen wie diese sind es, die im Industrieservice Alltag werden sollen. Überall dort, wo Techniker:innen Anlagen reparieren und Maschinen warten, können smarte Technologien helfen. Und das gerade dann, wenn es um komplexe Aufgaben geht, für die eigentlich Spezialisten notwendig wären. „Service-Meister löst mit KI Probleme, die sich durch den Fachkräftemangel im Mittelstand ergeben“, sagte Hauke Timmermann vom Konsortialleiter eco Verband, „daher war es auch die richtige Entscheidung, im Jahr 2022 mit den Schnellbooten in der Praxis zu starten.“ Insgesamt 11 Services hat das Projekt seitdem generisch beschrieben, um aufzuzeigen, wie sich KI-Werkzeuge in die Prozesse integrieren lassen.

Service-Meister schafft Grundlagen für KI-Weiterbildung

„Wir sind im dritten und damit letzten Jahr der Laufzeit“, sagte Christine Neubauer vom eco Verband, „unsere Fortschritte liegen im grünen Bereich.“ „Und das außerdem bei Zusatzaufgaben“, sagte Timmermann. So legt Service-Meister mit einem Open Source Curriculum die Grundlagen, damit KI-Wissen immer selbstverständlicher in die betriebliche Weiterbildung einfließt. „Auf dem KI-Campus bieten wir einen kostenlosen E-Learning-Kurs an“, sagte Neubauer, „gemeinsam mit Partnern ist zudem ein Programm in Planung, das KI-Profis ausbildet, die Teams in den Firmen trainieren sollen.“ Bereits verfügbar ist der KI-Einstiegsplaner von Service-Meister: Online können Unternehmen evaluieren, inwiefern sich KI im Service für sie lohnt und welches Vorgehen sich nach den Best Practices von Service-Meister empfiehlt. „Nicht nur das bietet uns Grund zur Freude“, sagte Timmermann, „sondern auch, dass wir das Projekt kostenneutral um sechs Monate verlängern werden.“

Neues Schnellboot esw GROUP: Smartes Service-Ticket-System erleichtert Wartung

Mit in die Verlängerung geht ein neues Schnellboot, das sich in diesen Wochen dem Konsortium anschließt: Die esw GROUP entwickelt und produziert Metall-Kunststoff-Produkte für die Automobil-, Nutzfahrzeug- und Bauindustrie. Damit Maschinen verfügbar und Anlagen produktiv bleiben, verkürzt der Mittelständler gemeinsam mit inovex und der BHT Berlin Stillstandszeiten. „Wir entwickeln ein smartes Service-Ticket-System, das historische Daten mit Serviceinformationen verarbeitet, um Wartungsprozesse zu erleichtern“, sagte Kamilla Mohr von inovex.

Kamilla Mohr, inovex präsentiert den Status im neuen Schnellboot esw Group / inovex / BHT

Daten teilen, ökonomische Mehrwerte realisieren: Perspektive Gaia-X

Anlagen verfügbar halten, Risiken reduzieren und flexibler produzieren: „Service-Meister möchte zudem Ideen entwickeln, wie sich neue Geschäftsmodelle mit Daten und KI entwickeln lassen“, sagte Neubauer. Wie das aussehen kann, zeigt TRUMPF: Rund um seine Laserschneidsysteme hat der Konsortialpartner ein Pay-per-Part-Geschäftsmodell realisiert. Ohne Maschinen kaufen oder leasen zu müssen, nutzen Kund:innen die vollautomatischen Anlagen und bezahlen pro geschnittenem Blechteil einen zuvor vereinbarten Preis. Was darüber hinaus möglich ist: „Ökonomische Mehrwerte entstehen gerade dann, wenn Unternehmen ihre Daten in industriellem Maßstab mit Partnern, Lieferanten und auch Wettbewerbern teilen“, sagte Andreas Weiss vom eco Verband, „Gaia-X lässt Europas Datenökonomie abheben.“ Ein Workshop am zweiten Veranstaltungstag lotete die Potenziale der vernetzten und dezentralen Dateninfrastruktur aus.

Chancen für die Serviceökonomie 4.0 evaluieren

Aktuell realisiert der eco Verband mit dem Gaia-X-Federation-Services-Projekt, kurz GXFS, den Nukleus an Software, den alle benötigen, die mit Gaia-X arbeiten möchten. „Unsere Kiste an Softwarewerkzeugen setzt dazu auf offene Standards und Schnittstellen“, sagte Vivien Witt vom GXFS-Projekt. Nicht anders Service-Meister: „Mit den Blaupausen und Referenzimplementierungen sind wir bereits auf Kurs in Richtung offener Datenökonomie“, sagte Timmermann. „Zudem bietet uns das anstehende Standardisierungs-Arbeitspaket die Möglichkeit, die Chancen einer Serviceökonomie 4.0 am Beispiel von Gaia-X weiter zu evaluieren.“ Rund 30 Teilnehmer:innen besuchten das 5. Konsortialtreffen am 14. und 15. September, das nach dem Kickoff im Jahr 2020 erstmals wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden konnte.

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