Service-Meister im Interview: Starthilfe für KI im Mittelstand

KI Service - Industrie 4.0

Christine Neubauer und Hauke Timmermann von Service-Meister

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager Kommunikation Cloud Services bei EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Auf dem vergangenen Konsortialtreffen hat Service-Meister erste Ergebnisse präsentiert. Christine Neubauer und Hauke Timmermann organisieren das Konsortium beim eco Verband. Im Interview erklären beide, wie sie dem Industrie-Service im Mittelstand jetzt mit KI Starthilfe geben.

servicemeister.org: Frau Neubauer, Service-Meister ist im dritten und letzten Jahr seiner Laufzeit. Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf?


Christine Neubauer: Unsere Schnellboote haben rasch gute Ergebnisse geliefert. Von Anfang an haben wir uns auf die Praxis in kleinen und mittleren Unternehmen fokussiert. Unser Motto: Ärmel hochkrempeln, Krawatten abbinden!

Herr Timmermann, was hätte denn bislang eigentlich besser laufen können?

Hauke Timmermann: Wir sind selbstkritisch und wissen: Egal, ob technologische Barrieren und Stolperfallen oder menschliche Motive und Einstellungen – unser Projekt spiegelt auch in dem Punkt den gesamten Kosmos an Hemmnissen und Bedenken wider, die überall kursieren, wo Unternehmen heute Daten teilen oder Mitarbeiter:innen mit künstlicher Intelligenz (KI) unterstützen möchten. Aber genau das gehört zu einem solchen Projekt dazu! Um Erfolg zu haben, braucht es Niederlagen. Nur, wer sie meistert, der lernt und wird besser. Und nur so entstehen Ergebnisse, die relevant sind für die Arbeit der späteren Anwender:innen.

Wie relevant sind die Ergebnisse?

Neubauer: Wir haben es dem Mittelstand so einfach wie möglich gemacht. Schließlich ist KI keine Raketenwissenschaft, sondern nichts weniger als intelligente Statistik. Auf unserer Website finden Interessierte drei Elemente, um den eigenen KI-Einstieg zu planen: Wer sich allgemein informieren und den eigenen Standpunkt bestimmen möchte, der durchläuft das KI-Assessment. Die Prozesslandkarte stellt mögliche KI-Anwendungen für die jeweiligen Use Cases entlang der Service-Prozesse vor. Der Service-Katalog listet die Ergebnisse aus den Schnellbooten exemplarisch auf.

Wie steigen Unternehmen über die Website am besten in KI ein?

Timmermann: Alles ist so gegliedert, dass sich jede:r je nach eigenem Vorwissen und Bedarf zurechtfindet. Wer ins Thema einsteigen möchte, der durchläuft das Assessment. Dazu beantworten die Unternehmen einen Fragenkatalog via Excel-Sheet, der schrittweise auf die jeweiligen Service-Prozesse eingeht. Ausgehend von den Antworten lässt sich die Ist- und Soll-Situation vergleichen. Zudem visualisiert unser Tool die Ergebnisse, um KI-Potenziale und Handlungsempfehlungen für den Industrie-Service auf einen Blick zu erkennen.

Wie geht es weiter?

Neubauer: Egal, ob ich Service-Tickets mit KI automatisiert verarbeiten, Wartungseinsätze smart planen oder Reparaturen dokumentieren möchte – die Prozesslandkarte zeigt, wie sich KI im Industrie-Service anwenden lässt und stellt die notwendigen Technologien vor. Wer beispielsweise Service-Tickets mit Algorithmen analysieren möchte, der erfährt, welche Datenquellen in welcher Qualität dafür erforderlich sind…

…klingt das nicht abstrakt?

Timmermann: Bleibt es aber keineswegs.  Der sukzessiv wachsende Service-Katalog listet detailliert auf, wie die Schnellboote ihre Herausforderungen gelöst haben. Je nach Use Case stellen wir nicht nur die dafür nötigen Technologien vor, sondern auch die KI-Bausteine, die Service-Meister Dritten bereitstellt. Zudem vermittelt der Katalog Ansprechpartner:innen aus dem Konsortium, die Interessierten aus dem Mittelstand beim Start helfen.

Da kann offenbar nichts mehr schief gehen – oder?

Neubauer: Schief geht es am Ende nur, wenn der Mittelstand KI nicht endlich anpackt. Studien zeigen es, Expert:innen sagen es und Projekte wie Service-Meister unterstreichen es: KI ist die Chance für den Standort Deutschland.

Timmermann: Eine Studie vom eco Verband zeigt: Setzen Gesamtwirtschaft und Mittelstand KI flächendeckend ein, lässt sich im Vergleich zu 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von über 13 Prozent bis 2025 realisieren, was einem Gesamtpotenzial von nicht weniger als 488 Milliarden Euro entspricht.

Was muss im Mittelstand passieren, damit die Firmen KI-Chancen ausschöpfen?

Neubauer: Die Unternehmen müssen die Mehrwerte fürs Geschäftsmodell erkennen. Wer bei KI vorrangig daran denkt, Prozesse zu optimieren, der ist auf dem Holzweg. Aber wer versteht, dass KI im Industrie-Service der erste Schritt ist, um digitale Produkte und abobasierte Dienste für seine Kundschaft zu schnüren, der ist am Kern dessen, worum es auch bei Service-Meister und der digitalen Transformation geht.

Timmermann: Je digitalisierter die Unternehmen sind, desto bewusster ist den Firmenlenker:innen dieser Zusammenhang bereits. Die Ergebnisse von Service-Meister sollen daher nicht nur technologische Blaupausen liefern, sondern den Blick der Unternehmen weiten. Zum einen dafür, was auf dem Spiel steht. Und zum anderen dafür, was heute bereits für die möglich ist, die mit KI starten.

Wir danken für das Gespräch!


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Über Nils Klute
Nils Klute ist IT-Fachredakteur. Egal, ob für IT-Medien wie heise.de, zdnet.de und silicon.de, für IT-Unternehmen wie SAP, T-Systems und Sony oder für B2B-Agenturen wie Palmer Hargreaves, Pleon Kohtes Klewes (heute Ketchum) und rheinfaktor – Nils Klute schreibt und spricht seit mehr als 15 Jahren über die Themen, die die IT- und Digitalwirtschaft bewegen. Von der Datenwirtschaft mit Gaia-X über Künstliche Intelligenz im Mittelstand bis hin zu Cloud-Native-Technologien - als Projektmanager Kommunikation Cloud Services ist er bei EuroCloud Deutschland_eco e.V. für das Content Marketing rund um die Themen des Verbands verantwortlich. Zudem unterstützt er KI-Projekte wie Service-Meister und Initiativen wie EuroCloud Native, Channel2Cloud oder EuroCloud Next Leaders mit Blogbeiträgen, Namensartikeln, Interviews, Pressemitteilungen, Konzepten und Strategien. Beruflich wie privat ist er auf LinkedIn und Twitter unterwegs.