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Service mit KI und IoT: Produkte verbessern, Fertigungsanlagen optimieren

KI Service - Industrie 4.0

Service mit KI und IoT: Produkte verbessern, Fertigungsanlagen optimieren

Service mit KI und IoT

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager IoT beim eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Die Mehrheit aller Firmenlenker glaubt, dass künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaftswelt verändern wird. Auf ihr eigenes Unternehmen bezogen, erwartet das aber nur eine Minderheit. Warum Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand weiterhin auseinanderliegen. Und was mit KI und Maschinendaten über die Wartung hinaus möglich wird.

Ob im Kundenservice, im Vertrieb oder in der IT-Abteilung – smarte Chatbots helfen bereits in vielen Unternehmen weiter. Auch auf Websites und in Onlineshops sind die KI-Assistenten zur Stelle. Was den Firmen Zeit spart, ist für Nutzer praktisch: Oft merken Kunden gar nicht, dass sie mit einer Maschine chatten. Aber KI kann heute weit mehr, als Sprache und Texte zu verarbeiten. Beispiel Škoda: Der Automobilhersteller unterstützt Servicetechniker in der Werkstatt mit einer KI-App.

KI im Service: App erkennt Fahrzeugdefekte am Geräusch

Vom Lenkgetriebe über Klima-Kompressoren bis hin zur Kupplung: „Das Betriebsgeräusch des Fahrzeugs lässt sich mithilfe der App über das Smartphone aufnehmen“, schreibt Škoda in einer Pressemitteilung. „In einem nächsten Schritt vergleicht ein Algorithmus die Aufzeichnung mit hinterlegten Klangmustern und liefert auf dieser Basis eine konkrete Beschreibung des ermittelten Ergebnisses.“ So erkennt die App Sound Analyser anhand von Audiomustern typische Defekte – und das mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent. Wie der Dienst funktioniert: Die Smartphone-Anwendung produziert Spektogramme und lässt sie von neuronale Netzen auswerten. Trainingsdaten, um die KI-Modelle anzulernen, hat eine Pilotphase geliefert, an der sich Škoda-Händler aus 14 Ländern beteiligt hatten.

Beispiele wie diese zeigen, wie alltagstauglich und nützlich KI heute sein kann. Auch im Mittelstand besteht daran kein Zweifel: Laut Studie des TÜV-Verbands (VdTÜV) aus dem Oktober 2020 sind acht von zehn Befragten der Meinung, dass es durch KI zu großen Veränderungen in der Gesamtwirtschaft kommen wird. Mit Blick auf das eigene Unternehmen erwarten aber nur drei von zehn, dass dieser Wandel auch die eigene Firma betreffen wird. Ein Trugschluss mit Folgen: „Nur eine Minderheit der mittelständischen Unternehmen nutzt bewusst KI-Systeme“, hält die Studie KI aus Anwendersicht fest, die die Technologiestiftung Berlin im September 2019 veröffentlicht hat.

Mittelstand sieht keinen Nutzen in KI

Wo die Ursachen liegen: Der Großteil der deutschen Firmen erkennt für sich keinen Nutzen in KI. Laut TÜV-Studie fehlt jedem zweiten Unternehmen ein sinnvoller Anwendungsbereich. Ohne erkennbares Ziel geben Firmen kein Geld für die Technologie aus: Laut einer Bitkom-Umfrage aus dem Juni 2020 will nur jedes siebte Unternehmen in diesem Jahr in KI investieren. „Bislang ist bei potenziellen Anwendern zu Funktionsweisen, Einsatzmöglichkeiten und Stand der Technik noch wenig bekannt“, stellt die Studie der Technologiestiftung Berlin heraus. Die Folge: Ob smarter Chatbot oder KI-App für den Servicetechniker – was anderenorts zur Realität wird, bleibt vielerorts Zukunftsmusik.

KI im Mittelstand: Erfolg braucht Use Cases

Wie sich Umsetzungsprobleme lösen sowie Nutzen und Ziele finden lassen, das zeigen die Schnellboote im KI-Projekt Service-Meister. Beispiel Atlas Copco und USU Software: Beide Konsortialpartner arbeiten in ihrem Schnellboot daran, Serviceprozesse zu beschleunigen, Störungen remote zu erkennen und Stillstände zu verhindern. Denn die Industriemaschinen von Atlas Copco sind überall in der Produktion gefragt. Treten Probleme an Anlagen auf, stockt es nicht nur in einer Fabrik. Ausfälle bedrohen das gesamte Zulieferernetzwerk. Um Ausschuss zu reduzieren und Anlagen verfügbar zu halten, setzen das Unternehmen und sein Implementierungspartner bei Service-Meister auf Maschinendaten aus dem Internet of Things (IoT), KI und Data Analytics. So lassen sich, laut Blog-Post von USU Software, Ausfallzeiten um 20 Prozent reduzieren.

Nicht anders bei Würth und Grandcentrix: In Handwerk und Industrie ist das zuverlässige Equipment des Montagetechnikspezialisten gefragt. Fallen Akkuschrauber oder Bohrhammer unerwartet aus, ist das nicht nur ärgerlich, sondern schlecht fürs Geschäft. KI und IoT-Daten weisen auch diesem Schnellboot den Weg. Betriebs- und Zustandsparameter lassen sich analysieren, um Anomalien zu erkennen, die auf mögliche Ausfälle hinweisen. Noch bevor Probleme auftreten, bringt Würth Austauschgeräte auf den Weg.

KI justiert alle Fertigungsprozesse

Ausfälle prognostizieren und Maschinen vorausschauend warten – auch das wird nur ein Anfang sein. Denn: „Laut einer Studie von McKinsey könne mit der Feinjustierung von Fertigungsprozessen mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Effizienz je nach Anwendung um drei bis 30 Prozent gesteigert werden“, berichtet handelsblatt.de. „Dazu müssten aber nicht nur einzelne Prozessschritte, sondern die gesamte Kette optimiert werden.“ Was das möglich machen wird: Produzenten, Kunden und Anlagenhersteller profitieren von übergreifenden Datenanalysen – und das nicht nur, um Maschinen vorausschauend zu warten. Darüber hinaus nutzen Fabriken die Analysen, um die Qualität ihrer Erzeugnisse weiterzuentwickeln. Hersteller erfahren, wie sie die Lebensdauer ihrer Anlagen steigern können. Und fließen allen IoT-Daten im digitalen Zwilling zusammen, lassen sich Verfahren der Industrie 4.0 simulieren und absichern. Und das, noch bevor Ausschuss überhaupt entstehen kann. Fest steht: Setzen Gesamtwirtschaft und Mittelstand KI flächendeckend ein, lässt sich, laut KI-Studie des eco – Verbands der Internetwirtschaft, ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von über 13 Prozent bis 2025 (im Vergleich zu 2019) realisieren, was einem Gesamtpotenzial von rund 488 Milliarden Euro entspricht.


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