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Service-Meister Konsortialtreffen: „Aus Kundensorgen werden Anbieterinteressen“

KI Service - Industrie 4.0

Service-Meister Konsortialtreffen: „Aus Kundensorgen werden Anbieterinteressen“

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager Kommunikation Cloud Services beim EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Sich austauschen, kennenlernen und netzwerken – rein virtuell kam das Konsortium von Service-Meister jetzt am 3. Dezember zusammen. Im Fokus des Treffens: Fortschritte aus den sechs Schnellbootprojekten. Wie das KI-Projekt nicht nur Anlagen verfügbar hält, sondern auch die Produktionsqualität optimiert.

Bleche automatisch schneiden und Maschinen remote betreiben lassen – für seine Kunden hebt Trumpf den Industrieservice auf die nächste Stufe. Anwender der Anlagen aus Ditzingen definieren nur noch die Qualität, in der sie fertige Werkstücke benötigen. Aus der Ferne fährt und regelt Trumpf das Equipment entsprechend. Damit das funktioniert, hat der Anbieter seine Schneidmaschinen um Sensoren erweitert: Daten lassen sich jetzt übergreifend verarbeiten und analysieren. „Wir schauen auf den Serviceprozess und die Qualität der Erzeugnisse“, sagte Maximilian Veith von Trumpf. Was das möglich macht: Nicht nur Störungen lassen sich prognostizieren, sondern auch die Fertigung selbst optimieren. „Indem wir alle Daten aufeinander beziehen, erkennen wir Zusammenhänge und können die Qualität maximieren“, sagte Veith.

Service-Meister bringt KI in den Mittelstand

Use Cases wie diese sind es, mit denen Service-Meister dem Mittelstand Geschmack auf künstliche Intelligenz (KI) machen möchte. Das zweite Konsortialtreffen drehte sich mit rund 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmern um die Ergebnisse der sechs sogenannten Schnellbootprojekte: Seit rund einem Jahr arbeiten die Unternehmen KEB, Atlas Copco, Würth, Krohne, Open Grid Europe und Trumpf mit den Implementierungspartnern USU, Inovex und Grandcentrix zusammen. Die Tandems sollen individuelle Anwendungsfälle im Industrieservice digital lösen. Und egal, ob smarte Ratgeber, Chatbots, Augmented Reality-Anwendungen oder Apps – so soll ein KI-Ökosystem für den technischen Service im Zeitalter von Industrie 4.0 entstehen. „Wir liegen mit Service-Meister auf der Höhe der Zeit“, sagte Hauke Timmermann, der das Projekt beim Konsortialführer eco organisiert: „KI kommt immer mehr im Mittelstand an.“

Silos aufbrechen, Schnittstellen harmonisieren und Datenbestände zusammenführen

Anlagen verfügbar halten und Servicebedarf über intelligente Algorithmen prognostizieren ­– in ihrem Schnellboot lösen Atlas Copco und USU dazu ein Problem, das KI in der Industrie häufig bremst. „Um Daten überhaupt nutzen zu können, müssen wir Silos aufbrechen, Schnittstellen harmonisieren und heterogene Informationsbestände zusammenführen“, sagte PD Dr. Fred Jopp von USU. Anders im gemeinsamen Use Case mit KEB: „Unsere Komponenten und Steuerungen produzieren enorme Datenmengen, die es gilt, im Service nutzbar zu machen“, sagte Wilfried Schumacher-Wirges von KEB. Beispielsweise möchte der Automatisierungsexperte Vibrationen analysieren, um mögliche Anomalien zu erkennen. „Automatisch sollen sich Techniker dann alarmieren lassen“, sagte Schumacher-Wirges.

Wartungen smart planen und vorbereiten – auch Inovex und Krohne arbeiten daran. „Wir visualisieren Sensordaten mit KI, sagen Defekte voraus und schicken Mechaniker bedarfsgerecht auf den Weg“, sagte Florian Wilhelm von Inovex. „Darüber hinaus sind wir in der Lage, Einsätze automatisch zu dokumentieren, um gesetzliche Anforderungen einfacher zu erfüllen.“ Nicht anders Würth und Grandcentrix: „Über Natural Language Processing (NLP) werten wir Serviceberichte aus und prognostizieren Fehlercodes“, sagte Ulrich Eitschberger von Grandcentrix. Egal, ob Probleme mit Bohrmaschinen, Akkuschraubern oder Sägen – so ist Würth in der Lage, zu erkennen, wie wahrscheinlich sich ein Gerät reparieren lassen wird. Eitschberger: „Lassen sich Ausfälle und Ursachen im Voraus bestimmen, dann kann Würth Austauschgeräte und Ersatzteile rechtzeitig auf den Weg bringen.“

Störungen remote erkennen und Servicetickets automatisch erzeugen

Anlagenzustände aus der Ferne beobachten – Open Grid Europe überwacht sein Netz aus Gasleitungen mit einem aktiven Korrosionsschutz. Über elektrischen Strom lässt sich monitoren, ob das Transportnetz intakt ist. Aber: „Fehlermeldungen verarbeiten Mitarbeiter bislang rein manuell“, sagte Jopp. Gemeinsam mit Schnellbootpartner USU möchte der Infrastrukturbetreiber das ändern. KI soll Störungen remote detektieren, Servicetickets automatisch erzeugen und Techniker alarmieren.

Automatisch, intelligent und smart – über die Use Cases von Service-Meister soll eine anlagen-, abteilungen-, und firmenübergreifende Serviceplattform entstehen. Diese wird zum einen KI-Tools bereitstellen, die auch geringer ausgebildete Fachkräfte für komplexe Aufgaben befähigen sollen. Und zum anderen KI-Blaupausen für alle Serviceprozesse liefern, die der Mittelstand anpassen und nutzen kann. „Momentan schließen wir eine interdisziplinäre Anforderungsanalyse ab“, sagte Timmermann. „Unser Anspruch ist es, das Ökosystem samt aller KI-Tools maximal nutzerzentriert zu entwickeln.“ Was da dem Erfolg überhaupt noch im Weg stehen kann: „Die Einführung von KI ist komplex. Systemintegratoren werden eine Schlüsselrolle spielen“, sagte Timmermann.

Service-Meister: Aus Kundensorgen werden Anbieterinteressen

Webinare, Veröffentlichungen und Workshops: „Service-Meister macht seine Ergebnisse sehr erfolgreich sichtbar“, sagte Dr. Klaus Glasmacher vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. „Wir erleben die Zusammenarbeit im Projekt als außerordentlich gut.“ Zwar fand das zweite Treffen des Konsortiums nach dem Auftakt im Februar jetzt nur virtuell statt. Aber: „Auch Corona konnte uns nicht stoppen“, sagte Timmermann. Gleiches gilt für die KI-Strategie der Bundesregierung: „Das Kabinett schreibt den eingeschlagenen Weg fort“, sagte Glasmacher.

Zusammenarbeiten, weitermachen und sich nicht aufhalten lassen – im Schnellboot von Trumpf ist der Hersteller bereits so weit, dass er einen Teil des Risikos für seine Kunden mitträgt. „Statt Maschinen zu kaufen und selbst zu betreiben, sollen Anwender bei uns nur noch eine definierte Fertigungsqualität buchen“, sagte Veith. „Anlagen verfügbar zu halten, soll nicht mehr länger die Sorge unserer Kunden sein, sondern das Hauptinteresse für uns als Anbieter.“


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