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Service-Meister auf der Cloud Expo Europe Frankfurt: Mehr Geschäft mit Daten und Service

KI Service - Industrie 4.0

Service-Meister auf der Cloud Expo Europe Frankfurt: Mehr Geschäft mit Daten und Service

Panelteilnehmer im Gespräch

Von Nils Klute, IT-Fachredakteur und Projektmanager Kommunikation Cloud Services bei EuroCloud Deutschland_eco e.V.

Nicht nur erstklassige Produkte fertigen, sondern auch datenbasierte Geschäftsmodelle realisieren – wie der Mittelstand von der Service-Ökonomie profitieren kann, darüber diskutierte Service-Meister jetzt auf der Cloud Expo Europe Frankfurt.

Egal, ob drehen, bohren oder fräsen, gewaltige High-Tech-Anlage oder filigrane Mechanik – Deutschlands Industrie produziert zumeist Ingenieurleistungen von Weltruf. Was der Mittelstand in diesem Punkt voraushat, lässt er vermissen, wenn Daten ins Geschäft kommen. Laut aktueller Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) nimmt die hiesige Datenökonomie kaum Fahrt auf. Zum einen, weil die Fähigkeit, Daten effizient zu bewirtschaften, bei den Unternehmen nicht weit verbreitet ist. Und zum anderen, weil die Firmen „Daten eher als Werkzeug zur internen Optimierung und nicht als Erlösquelle“ ansehen. Für Viele ist es „derzeit nicht ersichtlich, wie sie die Nutzung von Daten in ihr Geschäftsmodell integrieren können“, halten Barbara Engels und Jan Büchel vom IW Köln fest.

Digitale Services zum Kern des eigenen Angebots machen: „Dem Mittelstand fehlt es dafür keineswegs an der Datenbasis“, sagte Dr. Fred Jopp, KI-Spezialist von der PASS Consulting Group, „aber an Know-how.“ Wissen, wie es das Konsortium von Service-Meister für den Industrieservice mit Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt hat. Jopp und weitere Experten ordneten Ergebnisse des KI-Projekts jetzt in einer Paneldiskussion auf der Cloud Expo Europe Frankfurt ein.

Daten vorbereiten und ökonomisch nutzen

„Selbst konservativere und traditionellere Maschinenbauer haben ihre Prozesse digitalisiert und optimieren Verfahren mit Digital Twins“, sagte Thomas Niessen, Geschäftsführer vom Kompetenznetzwerk Trusted Cloud. „Mit datenbasierten Erlösideen tun sich die Unternehmen aber schwer“, sagte Niessen. Dass Daten vielerorts noch keine Einnahmen sprudeln lassen, liegt teils daran, dass sie gewissermaßen Abraum sind: „Ein Nebenerzeugnis, das sich nicht unmittelbar ökonomisch nutzen lässt“, sagte Niessen.

Handgeschriebene Seriennummern statt Barcodes, Zettelwirtschaft statt digitaler Ablage oder Excel-Listen statt strukturierter Wissensmanagementsysteme: „Oft sind Daten auch kaum systematisiert“, sagte Stephan Boch, Senior Business Development Manager bei KEB Automation. „Und egal, ob analog oder digital, die Unternehmen sammeln immer mehr Daten zentral an“, sagte Jopp, „am Ende lässt sich die schiere Menge nur noch schwer verwerten.“ Worauf es ankommt: „Firmen müssen Daten strukturieren“, sagte Boch. Jopp: „Große Unternehmen setzen auf Data Stewards, die sich darum kümmern, Informationen so vorzubereiten, dass sie sich ökonomisch nutzen lassen.“

Plattformen und Ökosysteme: Anpassen und erfolgreich bleiben

Fertigungsschritte digitalisieren, um nicht nur datenbasiert zu produzieren, sondern von neuen Erlösquellen zu profitieren: „Vor allem rechtliche Fragen bremsen die Geschäftsmodelle aus“, sagte Niessen. Auch das IW Köln bestätigt: 68 Prozent der befragten Industrieunternehmen teilen ihre Daten aus diesem Grund nicht – 22 Prozent führen dagegen technische Bedenken an. Aber: „Oft sind juristische Fallstricke eher ein empfundenes Problem“, sagte Niessen, „wer genauer hinschaut, stellt fest, dass es sehr wohl Lösungen gibt, um Daten rechtskonform zu verarbeiten.“

Was sich darüber hinaus anbietet: „Bestehende offene Plattformen und Ökosysteme nutzen“, sagte Jopp. Beispiel Service-Meister: Teams aus Mittelstand und IT-Partner haben typische Prozesse bei der Wartung und Instandhaltung mit KI unterstützt. So sind Blaupausen für datenbasierte und smarte Lösungen entstanden, die das Konsortium Dritten jetzt für den KI-Einstieg bereitstellt. „Derartige Best Practices dienen dem Mittelstand als Vorlage“, sagte Jopp. Schließlich steht fest: „Wer sich anpasst, bleibt erfolgreich.“

Über Gaia-X souverän und sicher in die Service-Ökonomie

Was es für den Erfolg mit Datenprodukten darüber hinaus braucht: „Digitale Souveränität“, sagte Niessen. „Bislang fehlen Standards und Technologien, um beispielsweise zu regeln, wer was mit welchen Daten darf.“ „Mit der vernetzten Dateninfrastruktur, an der die Gaia-X-Initiative arbeitet, ist eine Lösung in Sicht“, sagte Jopp. „Wenn es Gaia-X gelingt, rechtliche, technologische und organisatorische Bedenken auszuräumen, dann sollen Daten auch übergreifend fließen, um neue Geschäftsmodelle entstehen zu lassen.“

Wie das beispielsweise aussehen kann: Tauschen Hersteller, Zulieferer oder Dienstleister ihre Daten souverän und rechtssicher über zertifizierte Gaia-X-Services und -Knoten aus, dann entstehen überall entlang der Wertschöpfungskette auch neue Geschäftschancen in der Service-Ökonomie. Beispiel Gesamtbetriebskosten: Wer Anlagen und Maschinen anschafft, betreibt und verfügbar hält, subsummiert unter dem Begriff alle dabei anfallenden Ausgaben. Anwenderunternehmen suchen nach Lösungen, um diese Kosten zu reduzieren. „Service-basierte Geschäftsmodelle sind die Lösung“, sagte Boch, „und Daten die Basis.“ Equipment lässt sich wartungsärmer, leistungsfähiger und langlebiger zugleich nutzen. Denn: „Wer Anlagen und Maschinen baut, um sie vorrangig zu verkaufen, verkennt, welche Chancen im Geschäft mit Services liegen“, sagte Boch. Die Cloud Expo Europe Frankfurt fand am 11. und 12. Mai statt.

Bildnachweis: eco


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